Museum Turcus und Morus
Gonnostramatza, das Museum Turcus und Morus
Das Museum Turcus und Morus di Gonnostramatza beherbergt in seinem Inneren eine zwölf Jahrhunderte lange Geschichte. Das in seiner Art einzigartige Thema der barbarischen Invasionen in Sardinien berichtet Ober die Zeiten, in denen die Piraten aus allen Teilen des Mittelmeerraums die Küsten der Insel im Rahmen von Raubüberfällen überfielen und die ansässige Bevölkerung terrorisierten. Die Wissenschaftler wurden zur Gründung des Museums im iahr 2001 durch die lnschrift eines Steins angeregt: es handelt sich um eine Sandsteinplatte, die den Satz eines Oberlebenden des Angriffs auf das Dorf Uras am 5. April 1515 wiedergibt, als die Mannschaften des Piraten Barbarossa, der Bey von Tunis und Admiral der osmanischen Flotte Khayr Al-Din (1466-1548) das Dorf überfielen, nachdem sie die Ebene von Campidano hinter sich gelassen hatten. Die lnschrift, die wahrscheinlich von dem Flüichtling selbst hinterlassen wurde, ist noch heute in der kleinen Kirche von San Paolo nahe dem verschwundenen Dorf Sèrzela in der Gegend von Gonnostramatza zu sehen und zitiert «turcus und morus» im Dienste des Piraten Barbarossa. Der Museumsrundgang begleitet den Besucher durch die drei iahrhunderte lange Geschichte vor dem Jahr Tausend, als die ersten muslimischen Piraten im Südwesten Sardiniens anlegten und mit ihren Streifzügen begannen, bis hin zu den letzten ÜberfälIen in den ersten Jahrzehnten des 19. Jhs. Das ausgestellte Material ist in vier Themenbereiche untergliedert, die die Ereignisse, die Menschen, die Schiffe und die Türme beschreiben. Das Museum bietet einen unkonventionelIen Blickwinkel, da keine Originaldoku mente oder Funde der Epoche vorliegen, sonder Bilder, Wörter und Kunstgegenstnden gezeigt werden, die Ober einen bisher wenig untersuchten Aspekt der sardischen Geschichte berichten. An den Wänden des Gebäudes befinden sich 35 grolße Lehrtafeln und eine sich um drei Modelle in Echtgröße entfaltende synthetische Route. Diese geben mit erstaunlicher Genauigkeit dio Figuren des freiwilligen sardischen Heeres, des barbarischen Piraten und des Sklaven wieder. In den Ecken befinden sich verschiedene Modelle und Dioramen, die einen Verteidigungsturm an der Küste, einige Miniaturboote - darunter die typische barbarische Schebecke - und eine Szene der Ankunft und des Kampfes zwischen dem sardischen Heer und den Piraten darstellen. Schließlich befinden sich in einer grolßen GIas- und Holztheke verschiedene Waffen und Kriegsausrüstungen, die die westlichen und die muslimischen Traditionen gegenüberstellen. Das Museum Turcus und Morus wurde in der Anlage des ehemaligen, um 1800 erbauten Monte Granatico errichtet. Die Monti Granatici waren Institute zur Lagerung und Leihgabe von Getreide, die derjeweiligen Gemeinschaft der Ortschaft zur Verfügung standen. Er wurde in Gonnostramatza um das Jahr 1640 gegründet.
Die aus weißen Kalkblcöken erbaute Anlage hat ein rechteckiges Hauptgebäude, das von einer zentralen Mauer mit drei großen Bögen unterteilt wird, auf der das vollkommen aus Holz gebaute Satteldach ruht. Die auf den Hof - auf dem ein prächtiger hundertjähriger Olivenbaum wächst - zeigende Seite wurde im Rahmen der zahlreichen Restaurierungen der letzten Jahrhunderte erweitert und hat drei bogenförmige Eingänge. Das Gebäude befindet sich rechts von der Pfarrkirche San Michele Arcangelo, in der man im Übrigen den Aftaraufsatz aus dem iahr 1501 des Meisters von Stampace Lorenzo Cavaro bewundern kann. Hinter der Kirche hat man einen faszinierenden Blick auf die Högel von Santa Vittoria, die ihren Namen von der gleichnamigen, vor Jahrhunderten 1 bestehenden Kapelle ableitet. Das Museum Turcus und Morus erzàhlt nicht nur die Geschichte der Kämpfe und der Beziehungen zwischen der christlichen und der muslimischen Bevölkerung, sondern sie beherbergt auch einige Wechselausstellungen, die häufig Werken der modernen und zeitgenössischen Kunst gewidmet sind und nicht selten mit den Themen, den Landschaften und Bevölkerungen im Zusammenhang stehen, die in die Ieidvollsten und geheimnisvollsten Ereignisse der sardischen Geschichte verwickelt waren. Das Museum verkncipft folglich Vergangenheit und Gegenwart durch die historische Forschung miteinander und wendet sich an den Besucher mittels der künstlerischen, handwerklichen, traditionellen und verarbeitenden lnterpretation, um bisher wenig bekannte und untersuchte FF Aspekte zu beleuchten.Alessio Mandis
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